
Dieser Beitrag wurde erstmals im jetzt nicht zugänglichen Tagebuch 2005 am 8.4.2005 unter 'Heirloom Tomatoes - Alte Tomatensorten' veröffentlicht.
Wenn man von alten Tomatensorten spricht taucht im amerikanisch/englischen Sprachgebrauch häufig die Bezeichnung "Heirloom" Tomaten auf. Ich habe diesen Begriff dann so umschrieben. "Heirloom Tomatoes" oder grob übersetzt ins Deutsche "Erbstück-Tomaten" von Generation zu Generation weitergegeben oder bei einer Auswanderung im Reisegepäck mitgenommen. Ich habe inzwischen etwas recherchiert und dabei gefunden das es bei "Heirloom"-Gemüse um Gemüsesorten handelt deren Samen längere Zeit verwendet werden , wobei die Eigenschaften der Gemüsesorten bei der Verwendung der eigenen Samen erhalten bleiben - also samenecht sind. Allerdings sind nicht alle samenechte Sorten "Heirloom"-Sorten.
Ich habe gefunden das es nach Taylor es drei Regeln gibt wonach eine Sorte die Heirloom-Bezeichnung tragen darf
Die Sorte muß samenecht sein , das heißt die erhaltenen Pflanze aus den Samen muß immer der Mutterpflanze gleichen und
die Sorte muß sich über fünfzig Jahre rückverfolgen lassen und
um die Sorte müßen sich Geschichten und Legenden ranken(must have a history or folklore of its own)
Es gibt ein Buch in dem diese Regeln näher beschrieben sind:

Es gibt in Europa auch viele alte Sorten die sich für die Bezeichnung Heirloom qualifizieren würden. Warum ist die Erhaltung alter Sorten so wichtig ??
Seit Jahrtausenden in denen die Tomate von der Urform ausgehend kultiviert wurden, waren die Menschen bemüht die besondere Qualitäten einzelner Pflanzen zu fördern und auf möglichst viele Pflanzen zu übertragen. Die ursprünglichen Selektionskriterien waren hauptsächlich Geschmack , Ertrag und Robustheit gegen Umwelteinflüße wie Witterung ,Krankheiten und Schädlingen. Man schätzt daß über dieses Ausleseverfahren über die Zeit an die 10000 Tomatensorten hervor gebracht wurden.
Leider sind in unserem technisierten Zeitalter neue dominierende Selektionskriterium hinzugekommen und zwar jene der Eignung zur Massenproduktion wie gleichzeitige Reife , die Eignung für lange Transportwege und damit der Möglichkeit die Tomaten während des Transportweges nachreifen zu lassen ohne Einbuße der Schnittfestigkeit. Dabei bleibt der Geschmack auf der Strecke und man hat nur eine begrenzte Auswahl von Einheitstomaten in den Supermärkten. Der Verbraucher schmeckt dann oft nur noch Wässriges.
Unser Bemühen ist es alte und besondere sortenechte (d.h. man kann aus deren Samen wieder die gleichen Tomaten anziehen - im Gegensatz zu dem vom Samenhandel forcierten F1-Hybriden) Tomaten weiter zu züchten. Jeder der eigene Tomaten bereits angezogen hat , weiß das die eigenen sonnengereiften Tomaten die Supermarkt - Tomaten im Geschmack um Längen schlagen.
Leider gehen mit der Zeit viele dieser alten und bewährten Sorten verloren. Um nicht alle diese alten Sorten gänzlich zu verlieren und der Diktatur der "Einheitstomate" aus den Supermärkten , sowie den Diktat der nicht weitervermehrbaren Sorten der F1 Hybriden Saatgut-Industrie auszuweichen , haben sich viele Tomatenliebhaber zusammen getan alte Sorten zu erhalten. Eine dankenswerte Organisation (bei der ich Mitglied bin) ist die
Arche Noah deren Hauptziel es ist , alte Sorten von Gemüse und Obst zusammen mit ihren Mitgliedern zu erhalten.Nun besinnt man sich wieder auf Ananas, Lukullus, Berner Rose und Grünes Zebra, auf die Ochsenherztomaten Cuor de Bue, Reif Red Heart und Stupice, Dattelweintomate, Black Plum oder die Gelbe Johannisbeertomate.
Schmidt Orla
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Seit Ende des kalten Krieges werden im ehemaligen Jugoslawien , Russland und Länder der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion alte Sorten gesammelt. Durch die bis zur Wende und teilweise noch jetzt herrschende Mangelwirtschaft sind dort alte Sorten ,aus der Not heraus, um sich das Geld für den Samenankauf zu sparen, erhalten geblieben. Eile tut Not. Auch dort wird sich das Gleiche ereignen. Die alten Sorten werden verdrängt durch die kommerziellen (Massen)Saatgut-Firmen.
Jetzt werden die Erbstücke (engl. heirloom) wieder gepflanzt. Die Ursorten schmecken tatsächlich unvergleichlich intensiv und Verbraucher können sie auf Wochenmärkten oder in Bioläden kaufen. Die Tomaten werden in der Regel von Hand geerntet und erzielen höhere Preise wie die übliche Supermarkt-Ware. Auch der Selbstanbauer kann die Tomaten pflanzen und den herrlichen Genuss eigener sonnengereiften Tomaten auskosten..
In einigen Teilen der Welt, insbesondere der Europäischen Union, ist es illegal, Saatgut von Sorten zu verkaufen, die nicht für den Verkauf zugelassen sind. Um neue Sorten zuzulassen, müssen alte aus dem Verkehr gezogen werden. Die großen Saatgutfirmen möchten möglichst viel, von sehr wenig Auswahl, verkaufen. Einige Institutionen bemühen sich jedoch Samen der älteren Sorten möglichst der Nachwelt ‚als Genpool’ zu erhalten. Andererseits werden oft die kleinen Samenerhalter auf Druck der großen Saatgutfirmen als ‚kriminell’ taxiert.